Skywalk Chili 3 vs Nova Mentor 3

Das Warten hat ein Ende – Freitag, pünktlich zum Wochenende, erreichte mich per UPS der Tester des neuen Chili 3 s in Grün. Da dieses Jahr eine Neuanschaffung in Sachen Gleitschirm ansteht, habe ich mich nach langer Recherche für zwei EN B Highlevel Modelle zum Testen entschieden. „Skywalk Chili 3 vs Nova Mentor 3“ könnte man das heutige Projekt bezeichnen. Um beide Schirme möglichst gut vergleichen zu können, habe ich mir bei Jodok in der Flugschule Bezau zusätzlich einen Mentor 3 Tester geliehen. Es hatte nebst dezenten Soaringbedingungen sogar ein bisschen Termik, so dass ich beide Schirme im Hangaufwind und in der Thermik testen konnte.

Über das Thema Leistung spreche ich hier ganz bewusst nicht, da dieser Faktor meines Erachtens überbewertet wird. Das die Schirme in der Highend-B-Klasse fast aller Hersteller in Sachen Leistung nicht schlecht dastehen und sich vor allem kaum noch voneinander absetzen, ist offenkundig. Viel wichtiger ist es, die Leistung auch nutzen zu können – und hierbei kommt es ausschließlich auf ein feines Handling und den Wohlfühlfaktor drauf an.

Meine Resultate sind wie folgt ausgefallen:

NOVA MENTOR 3 s (80-100kg) // Gewicht 5,6kg
SKYWALK CHILI 3 s (80-100kg) // Gewicht 5,2kg
Erster Eindruck Das Design ist typisch Nova, etwas langweilig für meinen Geschmack, wenig innovativ. Das Tuch fühlt sich im Vergleich zum Chili3 irgendwie schwerer, dicker an. Auch die Leinen kommen mir etwas fester vor. Kann auch sein, dass dies nur ein subjektiver Eindruck ist. Die Verarbeitung schaut sehr ordentlich aus. Der Tragegurt ist schlank und die 3 Leinenebenen sind gut überschaubar. Die Galerieleinen sind unummantelt, der Bremsgriff ist mittels Druckknopf befestigt und hat einen festen Steg. Der Chili3 kommt dieses Jahr in einem gänzlich neuen Kleid daher. Die Farben sind knallig und frisch. Ich war anfangs skeptisch in Bezug auf die neue Designlinie. In Natura ist der Chili 3 aber ein echter Eyecatcher und kaum zu übersehen. Das Tuch fühlt sich im Vergleich zum Mentor leichter an. Die Leinen scheinen mir etwas dünner auszufallen, die Galerieleinen besitzen auch keine Ummantelung. Die Verarbeitung ist Skywalk-typisch ordentlich mit diversen hübschen Details. Die Bremsgriffe werden auch mittels Druckknöpfen befestigt – keine Magneten mehr. Die Kappe hat im Vergleich zum Chili 2 ein paar Zellen verloren, allerdings eine etwas höhere projezierte Streckung – was Vorteile bringt!
Leinenhandling Das Sortieren der Leinen funktioniert beim Mentor 3 einfach und übersichtlich. Bei 3 Leinenebenen kein Wunder. Auch beim Chili 3 sind die Leinen schnell geordnet. Der neue Tragegurt ist endlich schlank und stabil geworden!
Start Der Flügel sollte bei beiden Modellen pfeilförmig ausgelegt werden, da die Ohren sonst zur Mitte schlagen können. Das hängt mit der Aufhängung des Stabilo zusammen. Die neue Kappe kommt beim Rückwartsaufziehen schnell hoch und möchte abgebremst werden. Steht dann schön stabil über dem Piloten. Ich hatte ca. einen 17er Wind bei meinen Starts. Die neue Kappe kommt auch hier beim Rückwartsaufziehen schnell hoch und möchte ebenso gestoppt werden. Durch den neuen Tragegurt lässt sich die C-Ebene sauber mit der ganzen Hand greifen, um den Schirm zu korrigieren. Auch der Chili steht ruhig über dem Kopf.
Kurvenhandling Der Mentor 3 lässt sich sehr einfach drehen. Es benötigt relativ wenig Bremsweg um ihn in eine steile Kurve zu legen. Zum Freestylen sicher ein Vorteil! Am besten fliegt er sich über Gewichtsverlagerung mit Bremseinsatz innen und außen. Der neue Chili ist sehr wendig und besitzt ein außergewöhnlich präzises Kurvenhandling. Er fliegt sich auch am besten in einer Kombination aus Gewichtsverlagerung und Bremse. Thermikkreise lassen sich einfach zw. flach und steil dosieren.
Steuerdruck Der Steuerdruck beim Nova ist höher als beim Chili 3. Die Steuerwege sind dadurch etwas kürzer und wirken knackiger. Evtl. könnten die Arme bei stundenlangem Thermikkreisen etwas ermüden – das konnte ich nicht testen. Der Steuerdruck beim neuen Chili ist geringer als beim Mentor 3, was sicherlich im Zusammenhang mit dem überraschend guten Handling steht. Die Bremse zeigt eine saubere Druckzunahme an, bevor die Strömung abreißt.
ABSTIEGSHILFEN
Ohren anlegen Ohren anlegen und voll beschleunigen. Hierzu habe ich lediglich jeweils den äußeren A-Gurt (unterhalb der Leinen) eine Handbreite umgeklappt. Die Ohren klappen mit einem „klack“ ein und rascheln im Fahrtwind (liegt vermutlich am neuen Tuch/ Leinen). Die Sinkwerte lagen bei ca. 3m/s. Die Ohren öffnen nicht selbstständig. Es bedarf eines kurzen anbremsen beider Seiten. Beim Chili 3 wird laut Handbuch empfohlen, die äußeren A-Gurte ebenfalls unter den Leinen eine Handbreite einzuklappen (nicht direkt in die Leinen greifen). Hierzu gibt es sogar eine Markierung am äußeren A-Gurt. Die Sinkwerte sind ähnlich dem Mentor. Die Ohren rascheln teilweise auch im Fahrtwind. Das Öffnen erfolgt mit etwas Geduld selbstständig.
B-Stall Die Einleitung bedarf eines kurzen Kraftaufwandes. Dann stallt die Kappe gleichmäßig, großflächig und geht in einen Sinkflug von 8-9 Meter über. Die Ausleitung sollte nicht zu schnell erfolgen, da der Chili schnell fahrt aufnimmt und entsprechend nach vorne nickt. Aber keine Angst – im Anschluss einfach mit den Bremsen abfangen.
Steilspirale – die Höhe war leider nicht mehr ausreichend Die Steilspirale lässt sich mittels Körpergewicht und Bremse wohl dosiert über ca. eine Umdrehung einleiten. Ich bin eine moderate Spirale mit Sinkwerten um die 10m/s geflogen. Die Ausleitung erfolgt auch ohne zutun des Piloten.
Agilität/ Handling Der Mentor 3 ist sehr wendig. Ein gutes Handling, kurze Steuerwege und unverzögertes Ansprechen auf die Bremse ist für Streckenflieger mit Freestyleambitionen sicher auch interessant! Die neue Wendigkeit des Chili 3 macht richtig Spaß! Er geht schnell und unverzögert um die Ecke. Das Handling ist im Vergleich zum Mentor feiner und leichtgängiger.
Landung Der Mentor 3 gleitet gut, lässt sich schön ausflaren und ohne besondere Technik landen – hier schenken sich die Schirme nichts. Wer den Vorgänger des Chili gewohnt war, sollte etwas mehr Platz einplanen. Die Gleitleistung hat sich doch ganz schön verbessert.
packen Der Mentor 3 ist mit Stäbchen ausgestattet, lässt sich aber problemlos packen. Auch der Chili 3 trägt ein Korsett (Stäbchen an der Eintrittskante, am Achterliek (C-Wires) und sogar am Stabilo). Das Packen scheint aber auch unproblematisch zu sein.

Resümee:

Richtig überrascht hat mich die Agilität und das Handling des Chili3 nach dem ersten Start! Beide Gleitschirme sind technisch wohl auf dem derzeit max. machbaren Stand angekommen. Bei der Entwicklung des Mentor 3 kenne ich mich ehrlich gesagt nicht aus. Bei Skywalk hat sich im Vergleich zum Chili 2 mehr als viel getan. Der Chili 3 ist im Grunde ein modifiziertes Abbild des Cayenne 4, mit diversen Neuerungen.

Im Flug habe ich mich unter dem Chili 3 um einiges wohler gefühlt. Es war sofort eine Vertrautheit und ein Gefühl von Sicherheit da. Der Mentor 3 ist der etwas unruhigere Bruder, der auch über etwas weniger Dämpfung verfügt. Die Steuerung des Mentor 3 ist härter – die des Chili 3 feiner. Beide Schirme sind als Streckenschirme beworben, durch ihre Agilität aber sicherlich auch bedingt freestyletauglich. Beim Fliegen unter Vollgas (Rolle auf Rolle) kam mir der Chili 3 stabiler vor. Die stoische Ruhe der Kappe war beeindruckend.

Auf Streckenflügen werde ich mich unter dem Chili 3 auf jeden Fall wohler fühlen, da er ein sehr angenehmes und vor allem präzises Kurvenhandling hat. Wenn ich Ambitionen zum Freestylen und Streckenfliegen hätte, würde ich vielleicht den Mentor 3 bevorzugen – vorausgesetzt, er fliegt SAT’s ohne mit den Ohren zu wackeln. 😉 Die Steigleistung und einen direkten Geschwindigkeitsvergleich konnte ich logischerweise nicht testen. Der Chili3 scheint mir der wendigere Flügel zu sein und man munkelt, dass er in Sachen Gleiten und Steigen die Nase vorne haben soll. Das findet aber am besten jeder für sich selbst heraus. Zu guter Letzt entscheidet auch das Bauchgefühl gepaart mit dem eigenen Gusto, welcher Schirm der richtige für die Saison 2013 ist.

Kleines Update (11.03.2013): nachdem es jetzt schon vermehrte Tests (durch andere Piloten) mit den o.g. Flügeln gab, steht in Sachen Klappverhalten (großflächige Klapper, Fullstall, Frontstall) fest, dass der Mentor wesentlich giftiger reagiert als der Chili, daher also in Extremsituationen anspruchsvoller zu fliegen ist. Das bestätigt mich in meiner Kaufentscheidung und spricht auch dafür, dass Skywalk die Klassen nicht ausreizt.


Danke Ole, für’s Filmen 🙂

This Post Has 6 Comments

  1. Steff sagt:

    danke für den aufschlussreichen bericht. ich werde den chili3 gleich mal ausprobieren, sobald er in den flugschulen verfügbar ist. ich glaub es ist an der zeit skywalk auch mal eine chance zu geben 😀

    steff
    (nova flieger seit 2003)

  2. Timo sagt:

    Moin Nico, danke für den Vergleichsbericht. Ich werde den Chili3 auf jeden Fall auch in meine diesjährige Schirmwahl mit einbeziehen. Fliege derzeit in der C-Klasse und denke über einen Abstieg nach.. bei den ganzen Diskussionen in den letzten Monaten ..

    Grüße aus dem Rheinland
    Timo

  3. egal sagt:

    wir werden ja sehen ob der chilli dem mentor das wasser reichen kann. warten wir die ersten zahlen im olc ab bevor hier viel spekuliert wird.
    kein skywalker

  4. gnutar sagt:

    Danke für den Vergleich.
    Wirklich aussagekräftig ist er aber nicht.
    gruß
    gnutar

    • Nicolas sagt:

      Hi, einfach selber testen und vergleichen. Solche Tests sind großteils subjektiver natur… wobei man objektiv sagen kann, dass der Chili3 definitiv der ausgewogenere Schirm geworden ist 😉

  5. Realex sagt:

    Hallo,
    bin ganz begeistert vom Test!
    Ich (seit 1988 in der Luft und ca. 2000 Starts) habe Gelegenheit gehabt beide Geräte zu testen. Beide in „S“ 80-100kg.
    Leistung:
    Wir sind mit max. 1,5kg Gewichtsunterschied (also unbedeutend) beide Geräte für ca 2km nebeneinander geflogen.
    Der Mentor3 ist fast unmerkbar schneller, der Chili3 gleitet etwas besser und sinkt etwas weniger. Die Leistung würde ich als fast total ident sehen – wohlgemerkt im unbeschleunigten Flug und identischen Gurtzeugen.

    Einzig ist mir aufgefallen, dass der Mentor3 in kräftigen Wingovern deutlich besser und schneller reagiert.

    Thermisch (handling) hat jedenfalls der Chili3 bessere Karten. Fliegt auch m.M. langsamer. Wesentlich bessere Allroundeigenschaften bei Klappern und im Handling, wenn man wenig Steuerdruck mag.

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