Doppelter Jungfernflug: Mit dem Arriba 2 am Hochgrat (Allgäu)

Dieses Wochenende habe ich mich endlich mal wieder ins Allgäu ziehen lassen – neue Landschaften und Berge erfliegen. Ziel war der Hochgrat bei Oberstaufen (Steibis). Mit einer Höhe von 1.800m und einem Höhenunterschied von 1.000m der höchste Berg der Nagelfluhkette im Westallgäu. Geflogen wird hier bei N/W und Südlagen.

In 4er Gondeln geht es mit der Seilbahn in 15 Min. zur Bergstation. Eine 5er Karte (für Gleitschirmflieger) kostet unglaubliche 25 EUR – wo kann man heutzutage noch so günstig fliegen?

Das Gipfelkreuz am Hochgrat

Oben angekommen musste ich mich erst einmal durchfragen, wie ich die Startplätze erreiche. Ich hatte das Gefühl, der einzige Flieger am Berg zu sein. Aus der Bergstation herausgetreten, bließ erst einmal eine angenehme Briese aus Süd – ein paar Vögel drehten ebenso südseitig auf und ermutigten mich, den Südstartplatz aufzusuchen. Nach einem rel. steilen Marsch Richtung Ost kommt man nach ca. 15 Minuten am  an. Direkt unterhalb befindet sich der Südstartplatz – so glaubte ich zumindest – Windfahnen fand ich keine vor und am Startplatz stand auch kein 2ter Paragleiter – nur viel, viele neugierige Wanderer und Spaziergänger. Da kurz vor meiner Ankunft 2 Gleitschirme gestartet sind, kann ich nicht so falsch gelegen haben

Die Südflanke und Bergstation

Ein Griff in den Gleitschirmrucksack, und der Arriba 2, mit seinem raschelnden Silbertuch, sprang mir (scheinbar) voller Erwartung entgegen. Endlich ein erster Ausritt auf dem neuen Flügel. Größe S, mit 95,x kg beladen – Obergrenze – ich war gespannt auf das Handling. Unter der Aufsicht von dutzenden Schaulustigen legte ich mein Gurtzeug an, zog meinen Helm auf, hängte mich rückwärts ein und nutzte den ersten Aufwind für meinen Start. Geschafft – es ging gleich ein bisschen hoch und ich flog den Grat entlang Ri. Bergstation (West). Dort muss man dann auf die Nordseite fliegen – mit möglichst viel Überhöhung, damit es nicht rumpelt. Ein paar Kreise auf der Südseite habe ich mir aber nicht nehmen lassen, bevor ich gen Nord über die Kante flog. Selbstverständlich erwartete ich auf der NW-Flanke kein Steigen. Ich wollte sowieso erst mal den Weg nach unten checken.

Der berüchtigte Landeplatz am Seilbahn-Parkplatz

Vor allem der Landeplatz, berühmt berüchtigt, sah vor Ort nicht so lecker aus. Ein enges Tal umringt von Bäumen und ein strammer Windsack, aus 15-20 km/h Wind geformt. Daneben ein Fluss und davor eine Stromleitung. Von oben sah die Sache schon besser aus 🙂 Ich flog schnurstracks Ri. Talstation und baute dort gemütlich die Höhe ab, fühlte mich in meinen Arriba hinein. Die Luft war ziemlich unruhig, ich musste kurz mal sehr aktiv sein (beide Bremsen bis unter Karabiner), um gröberes zu vermeiden. Den Landplatz fliegt man am besten Südseitig an, baut dort oberhalb seine Höhe ab und fliegt dann von hinten her das Feld an. Überschüssige Höhe muss abgeachtert werden, sonst landet man auf dem Parkplatz – und man hat automatisch eher zu viel Höhe, da man quasi in ein Loch hinein fliegt. Mit etwas Konzentration ist Landung aber kein Hexenwerk – man sollte aber sehr aufmerksam sein. Wenn es am LP zu sehr kachelt oder man Schiss bekommt, kann man inoffiziell etwas östlich auf größeren, frei angeströmten Wiesen landen.

Der N/W Startplatz aus der Gondel gesehen

Nach meiner ersten Landung war ich mir nicht sicher, ob ich hier noch einmal fliegen möchte – mein Gefühl war irgendwie kein so ein gutes. Aber ich hatte da diese 5er Karte gekauft und der Tag war noch jung 😉 Also, auf zur Bahn, auf ein neues. Kurz vor der Bergstation sah ich zwei Gleitschirme am N/W Startplatz liegen – super, jetzt wusste ich auch wo sich dieser befindet. Über einen steilen Pfad kommt man an dem nicht weniger steilen Startplatz an. Struppiges Gras, hügeliges Terrain – schon das Auslegen ist mühsam. Nachdem ein paar tiefe Wolken durchgezogen sind, haute ich mich wortwörtlich Ri. N/W heraus.

Der Landeplatz vom Startplatz N/W aus gesehen

Dieses Mal genoss ich den Flug voll und versuchte jeden kleinen Aufwind zu erhaschen. Der Arriba 2 fliegt sich ähnlich wie der Chili. Der Steuerdruck ist in etwa der selbe – nur ist der Flügel in Größe S an meinem Körper viel agiler, was echt Spaß macht! In einem extra Bericht schreibe ich noch etwas zum Arriba. Ich flog also gemütlich den Nordhang ab und landete auch dieses Mal perfekt auf dem bösen Landeplatz ein. Zum Glück habe ich diesen zweiten Flug unternommen – somit ist mein Bild vom Hochgrat ein besseres – und es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass man mich dort fliegend vorfindet.

Mein Résumé: Der Hochgrat ist sicher kein Anfängergebiet und setzt diverse Erfahrung oder Anleitung voraus. Durch seine Ausrichtung (N) ist es ein „später“ Berg, der nachmittags vom Talwind lebt. Hier verhält es sich ähnlich wie in Andelsbuch/ Bezau. Ab nachmittags switched der Wind auf Nord um und es kann unter Umständen ewig am Grat gesoart werden. Richtung Süd zu starten ist schöner. Säuft man allerdings südseitig ab, habe ich keinen Plan, wie man wieder zurück auf die Nordseite zur Talstation kommt!

Der Landeplatz ist wirklich der fieseste, den ich kenne. Zum einen bläst eine Düse den Talwind um die Ecke, zum anderen saugt der Südhang neben dem LP die Luft ab… dann noch bissl Thermik auf der Wiese und der Schleudergang ist perfekt. Das muss jeder selbst für sich einschätzen.

Die Bergbahn ist schnell und günstig, das Personal kann auch sprechen. Viele Wanderer und Touristen sind am Start – dafür aber sehr wenige Flieger. Der Berg hat als Flugareal wohl seine besten Zeiten hinter sich. Auf jeden Fall ist der Hochgrat einen Ausflug wert – für mich kommt er aber eher weniger in Frage, da er für meine Flugvorhaben nicht so ideal ist. Zudem hat mich die Fahrerei von Lindau her etwas genervt. Viele Serpentinen und wenn mal ein Brummi vor einem fährt, kann man gleich eine Rast einlegen. Allerdings möchte ich von hier aus im kommenden Jahr mal die Nagelfluhkette bis Immenstadt (oder weiter) abfliegen – wenn ich das nicht zuvor schon von Bezau aus gemacht habe.

This Post Has 1 Comment

  1. Vielen Dank für den interessanten Bericht!

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